Nachdem wir das Untergestell (400€) aufgearbeitet hatten änderten wir unsere Pläne das erste Mal. Statt, wie geplant im dresdner Garten zu bauen, schleppten wir das Untergestell nach Wachau. Hier hatten wir nicht nur einen Bauplatz gefunden, sondern auch den Ort, an dem wir uns vorstellen konnten, längere Zeit zu wohnen. Hier hatten wir Strom und eine Werkstatt zur Verfügung und konnten in einem kleinen Wagen während der Bauzeit unterkommen. Das Leben auf dem Land begann ganz nebenbei. Simme fahren, Auto fahren, Eier aus dem Stall des Nachbarn, frische Milch vom Bauern um die Ecke und ins Freibad (2€ Tageskarte) gehen um sich nach der Arbeit frisch zu machen.

Wir wussten zwar noch nicht genau wie, doch wir würden in den kommenden 5 Monaten ein Haus auf Rädern bauen. Das Fundament war nun unsere erste Aufgabe. Das gesamte Gewicht würde später auf den Außenkanten liegen, die über das tragende Gestell hinaus ragen. Die geschlossene Bodenplatte (900€) aus Siebdruckplatten verschraubten wir mit dem Anhänger. Darauf legten wir quer, 6cm  starke Balken. Der umlaufende Rahmen liegt eingefasst auf diesen Balken. Es war das erste Mal, dass wir mit Beitel und Hammer Überblattungen zurichteten. Mit der Zeit wurden wir immer genauer und freier in der Arbeit mit dem Holz.

Danach arbeiteten wir Stück für Stück die 6cm starken Ständerbalken zu und leimten zusammenhängende Rahmen. Diese stellten wir nacheinander auf. Eine ausreichende Stabilität erreichten wir erst, als der umlaufende Rähmen in 3,70m Höhe geschlossen war. Das gesamte Ständerwerk (1000€) schwankte dann nur leicht als wir mit dem Dach begonnen. Hier verlegten wir 25mm starke OSB-Platten. Auf diese Platten nagelten wir eine dünne Schicht Dachpappe, zusammen mit den umlaufenden Blechen. Darauf schweißten wir dicke Bahnen Dachpappe und das ist wirklich eine Kunst, soviel haben wir gelernt.

Mit einer monströsen Plane schützten wir die Bauzeit über unser unfertiges Werk gegen Regen. Diese Plane jeden Abend auf das Gestell zu ziehen war so nervig, dass wir oft über das Wetter philosophierten um den Regen ab zu bestellen. Dann sprangen wir plötzlich eines Nachts nackt aus dem Bett, um im strömenden Regen die Plane doch auf zu spannen. Seit dem deckten wir den Wagen wirklich jeden Abend zu – wie lästig!  Und darum freuten wir uns  noch mehr als das Dach (1500€) fertig war.

Nun war es an der Zeit die Fenster (350€) aus einer alten Forschungsanstalt in das Ständerwerk zu setzen. Nach einigen Überlegungen entschieden wir uns schließlich einen Bandschleifer zu besorgen und sie doch ab zu schleifen. Die zwei Wochen Arbeit haben sich am Ende gelohnt. Mit alten Griffen vom Flohmarkt geben sie dem Raum ein wunderbares Licht.

Die Wände verkleideten wir als erstes mit DWD-Holzfaserplatten. Sie geben der Konstruktion mehr Steifigkeit und bilden unseren Windschutz. Mit dieser Variante bauten wir einen diffusionsoffenen Raum. Das teure Dachdeckerklebeband lernten wir hier sehr zu schätzen. Es half uns beim Abdichten sämtlicher Ritzen um Zugluft zu vermeiden. Außen schraubten wir an die Platten senkrecht 2cm starke Dachleisten. Sie sorgen für die Hinterlüftung der Verkleidung mit Panelen. So kann Luft hinter der Wand zirkulieren und überflüssige Feuchtigkeit abtransportiert werden. Dieser Fassadenaufbau (2100€) mit Fichtenholz ist für uns die günstigste Variante gewesen.

Wir verzichteten komplett auf Klimafolien da die Stopfhanfdämmung (1000€) aus der Uckermark mit Feuchtigkeit gut umgehen kann. Das Stopfen war eine sehr einfache Sache. Zum Schluss hatten wir jedoch noch einige Pakete übrig, was bedeutet, dass wir wahrscheinlich nicht dicht genug gestopft haben. Der Innenausbau (1100€) war ein unerwartet hoher Kraftakt. Von außen betrachtet stand dieses Schiff nun schon so prachtvoll vor uns, doch wir hatten nur eine neue Innen-Baustelle gebaut und es wurde kälter. Der Sommer war vorbei und der psychologische Tiefpunkt, an dem wir uns nur schleppend motivieren konnten hatte uns voll erwischt. Spontan beschlossen wir eine Tür ein zu bauen. Der geschlossene Raum war schon mal eine Errungenschaft.

Mit Nut-Feder-Panelen verbretterten wir die hanfgedämmten Wände, installierten die Elektrik mit FI Schutz. Die Abschlüsse an Fenstern und Balken vernagelten wir mit schlichten Zierleisten. Mit Biegesperrholz erzeugten wir einen angenehm runden Raumeindruck. Schließlich frästen wir in die Dielen aus der alten Wohnung in der Louisenstraße 15 Stufen an den Längsseiten um sie beim Verlegen zu überlappen. Dadurch wollen wir das Eindringen von Flüssigkeiten in den geschlossenen Boden verhindern. Abschleifen, Streichen und so schnell konnten wir dann gar nicht gucken wie der Wagen von seinem Bauplatz 10m weiter an seinen Bestimmungsort gezogen wurde.

Der Ofen ist das zentrale Element im Wagen und das brennende Feuer durch eine Glasscheibe sehen zu können, ist im Vergleich zur alten Wohnung schon eine Steigerung des Komforts, auch wenn wir erstmal auf fließendes Wasser verzichten müssen. Der Ofen kam also wieder aus dem Baumarkt.

Die gesamten Kosten, mit Reparaturen, Anschaffung von Werkzeug und sonstigen Zeug (1500€) und Kosten für Transporte (500€) belaufen sich auf gerundete 10.000€ für unser Haus auf Rädern, indem wir nun hier im Winter vor dem Ofen sitzen und die Reste vom Bauholz verbrennen und der Wagen wankt im Wind wie ein Schiff auf hoher See.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

1 × vier =